Stabiles Ökosystem
FIEGE rüstet seine Logistikzentren zu kleinen nachhaltigen Kraftwerken auf. Durch großflächige PV-Anlagen, Energiespeicher und Ladeparks sollen Energy-Hubs entstehen, die FIEGE unabhängiger vom Energiemarkt und resilienter gegenüber äußeren Einflüssen machen. Wie die Energieökosysteme aussehen sollen, erläutert Hartmut Entrup, Director Energy Solutions bei FIEGE, im Interview.
FIEGE beschäftigt sich intensiv und auf strategischer Ebene mit dem Thema Energie. Was ist der Hintergrund?
Wir verfügen weltweit über 131 Standorte. Und jeder dieser Standorte verfügt über eine mehr oder weniger große Dachfläche, die sich bestens für die Installation von Photovoltaik-Anlagen eignet. Aus wirtschaftlicher Sicht ist es nur logisch, dass wir dieses Potenzial nutzen. Es gibt aber noch einen weiteren und wichtigeren Grund, weshalb wir in die Energiewende investieren: FIEGE strebt eine Net-Zero-Transformation des Unternehmens an. Wir haben uns ambitionierte Klimaziele gesteckt, zu denen auch die Verbesserung der CO2-Bilanz unserer Standorte zählt. Unser Plan ist es, die 40 bis 50 größten Logistikzentren in der FIEGE Welt schrittweise mit PV-Anlagen, Batteriespeichern und Ladeinfrastruktur auszustatten.
Im Gespräch: Hartmut Entrup, Director Energy Solutions bei FIEGE. (Foto: FIEGE)
Welche Vorteile verspricht sich FIEGE davon?
Die hohen und schwankenden Energiepreise machen es attraktiv, unabhängiger vom Energiemarkt zu werden. Zudem möchten wir die Eigenverbrauchsquote in unseren Logistikzentren erhöhen – dafür muss man allerdings wissen, dass unsere Standorte im Gegensatz zu Betrieben mit industrieller Fertigung deutlich weniger Energie benötigen. Deshalb macht es für uns doppelt Sinn, die Sektorenkopplung von Strom, Wärme und E-Mobilität voranzutreiben, indem wir verstärkt auf Wärmepumpen umrüsten und Ladepunkte für E-Lkw an unseren Standorten installieren. Damit können wir mehr von dem selbst erzeugten PV-Strom abnehmen und müssen ihn nicht ins Netz einspeisen. Parallel dazu suchen wir in der Nachbarschaft unserer Standorte nach Abnehmern, denen wir den Strom verkaufen können. Das Interesse ist groß, weil wir es den Unternehmen auf diese Weise abnehmen, selbst für eine entsprechende Infrastruktur sorgen zu müssen.
Mit welchem Tempo schreitet der Ausbau von PV-Anlagen bei FIEGE voran?
Aktuell sind gut 520.000 Quadratmeter unserer Dachflächen mit Photovoltaik-Anlagen ausgerüstet. Pro Jahr bauen wir in etwa neue Kapazitäten von zehn bis fünfzehn Megawatt auf. Bis 2030 wollen wir bilanziell mehr grüne Energie erzeugen, als wir selbst verbrauchen.
So weit das Auge reicht: FIEGE rüstet seine Logistikzentren – wie hier in Zülpich – mit großen PV-Anlagen aus. (Foto: FIEGE)
Welche Rolle spielen Energiespeichersysteme?
Für unsere Energieökosysteme werden Batteriespeicher eine entscheidende Rolle spielen. Deshalb haben wir uns in diesem Jahr an dem Cleantech-Start-up Voltfang beteiligt, das sich bereits jetzt – nur sechs Jahre nach seiner Gründung – zum führenden Anbieter europäischer Batteriespeicherlösungen für Industrie, Gewerbe und Netz-Anwendungen entwickelt hat. Wir möchten an unseren Standorten eine Voltfang-Containerlösung mit einer Kapazität von rund fünf Megawattstunden installieren, die wir im Multi-Use-Betrieb fahren können. Das bedeutet, dass wir die gespeicherte Energie zur Eigenverbrauchsoptimierung, zur Kappung von Lastspitzen und perspektivisch auch zum Arbitragehandel einsetzen können. An unserer Niederlassung in Greven-Reckenfeld ist bereits der erste Voltfang-Container in Betrieb. Und ganz aktuell haben wir bei Voltfang den Bau weiterer Batteriespeicher mit einer Gesamtkapazität von 15,6 Megawattstunden und einer Gesamtleistung von 7,3 Megawatt beauftragt.
Big Brother: FIEGE setzt verstärkt auf Containerlösungen von Voltfang. Das erste System ist seit Anfang des Jahres am Logistikzentrum in Greven-Reckenfeld in Betrieb – viele weitere werden folgen. (Foto: Voltfang)
Die Energieökosysteme unterstützen nicht nur die Dekarbonisierung der Standorte, sondern auch die Dekarbonisierung der FIEGE Flotte. Wie zahlen die Pläne auf die E-Mobilität ein?
Wir haben unternehmensweit mittlerweile 14 E-Lkw in Betrieb, von denen sich vor allem die neuen Fahrzeuge der zweiten Generation auch für den Fernverkehr eignen. Wir wollen beweisen, dass E-Mobilität in diesem Bereich nicht nur nachhaltig, sondern auch wirtschaftlich ist. Deshalb investieren wir an unseren Standorten gezielt in die Ladeinfrastruktur für E-Lkw. Diese wollen wir als Chargepoint-Operator auch für fremde Flottenbetreiber öffnen, die nach Möglichkeiten suchen, auf Tagesrouten nachzuladen – auch dafür können wir unseren selbstproduzierten Solarstrom wunderbar nutzen.
Und wohin geht die Reise in Zukunft?
Unser Ziel ist es, dass nicht nur wir von dem Konzept der Energieökosysteme profitieren, sondern auch Dritte. Unsere Energieökosysteme sind skalierbar, wirtschaftlich tragfähig und perspektivisch – beispielsweise auch mit Windkraftanlagen – zu einem virtuellen Kraftwerk vernetzbar. Wir wollen unseren Beitrag zur Energiewende leisten, aber erneuerbare Energie auch zu einem integralen Bestandteil unseres Geschäftsmodells ausbauen. Deshalb werden wir unsere Kompetenzen in diesem Bereich künftig auch als Dienstleistung für Dritte zur Verfügung stellen.
Perfekte Stromabnehmer: FIEGE baut die Lade-Infrastruktur für E-Lkw aus. (Foto: FIEGE)