Hoshin Kanri in der Logistik: Strategieumsetzung, die wirkt

Wie lassen sich strategische Ziele konsequent in operative Verbesserungen überführen? Im Interview mit Marek Mrzyk, Leiter Lean Management, zeigen wir, wie Hoshin Kanri bei FIEGE Schweiz eingesetzt wird, um Projekte gezielt zu initiieren, steuern, Ressourcen sinnvoll zu priorisieren, und nachhaltige Prozessoptimierungen zu erreichen.

Interview hoshin kanri

Was versteht man unter Hoshin Kanri?

Hoshin Kanri ist eine Methode aus dem Lean Management, die dabei unterstützt, strategische Ziele systematisch in konkrete operative Massnahmen zu überführen. Vereinfacht gesagt: Es geht darum, sicherzustellen, dass strategische Ausrichtungen nicht nur definiert, sondern auch im Tagesgeschäft wirksam umgesetzt werden.
Die Methode schafft eine klare Verbindung zwischen Unternehmensstrategie und konkreten Verbesserungsprojekten.

Der Begriff klingt zunächst abstrakt. Wie lässt sich Hoshin Kanri greifbar erklären?

Hoshin Kanri kann man sich wie einen Kompass vorstellen: Er gibt die Richtung vor, in die sich ein Unternehmen entwickeln möchte. Gleichzeitig beschreibt die Methode, wie diese Richtung in konkrete Massnahmen übersetzt und gesteuert wird.
Das Ziel ist es, eine gemeinsame Orientierung zu schaffen und sicherzustellen, dass alle Aktivitäten auf die übergeordneten Ziele einzahlen.

 

Wie unterscheidet sich Hoshin Kanri von anderen Lean-Methoden wie Kaizen oder 5S?

Hoshin Kanri ist eine übergeordnete Steuerungsmethode. Während Tools wie Kaizen, 5S oder Wertstromanalysen konkret in der Umsetzung eingesetzt werden, definiert Hoshin Kanri die strategische Richtung und priorisiert die Themen.
Man könnte sagen: Hoshin Kanri legt fest, was erreicht werden soll. Lean-Tools zeigen, wie man es erreicht.

Welche Rolle spielt Hoshin Kanri in der Logistik?

Die Methodik ist in der Logistik genauso relevant wie in der Produktion. Auch logistische Prozesse sind klar strukturiert und bieten kontinuierliches Optimierungspotenzial.
Hoshin Kanri hilft dabei, dieses Potenzial gezielt entlang der strategischen Zielsetzungen zu entwickeln und zu nutzen.

Welche Vorteile ergeben sich daraus für Organisation und Prozesse?

Ein wesentlicher Vorteil ist die klare Fokussierung. Hoshin Kanri schafft Transparenz darüber, welche Themen Priorität haben, und hilft dabei, Ressourcen gezielt einzusetzen.
Gleichzeitig entsteht ein gemeinsames Verständnis für die strategische Ausrichtung. Das erleichtert die Zusammenarbeit und unterstützt eine konsequente Umsetzung von Verbesserungsmassnahmen.
 

Marek Mrzyk
Das Ziel ist es, eine gemeinsame Orientierung zu schaffen und sicherzustellen, dass alle Aktivitäten auf die übergeordneten Ziele einzahlen.
Marek Mrzyk
Leiter Lean Management
FIEGE Schweiz

Wie wendet ihr Hoshin Kanri bei FIEGE Schweiz konkret an?

Die Anwendung erfolgt in mehreren aufeinander aufbauenden Schritten:

1. Strategische Ausrichtung definieren
Vision und Strategie bilden die Grundlage. Sie sorgen dafür, dass alle Aktivitäten auf ein gemeinsames Ziel ausgerichtet sind.

2. Standortbezogene Self-Assessment durchführen
In einem strukturierten Fragenkatalog werden verschiedene Themenfelder bewertet, zum Beispiel Change Management, Organisation, kontinuierliche Verbesserung oder Standardisierung.
Dabei geht es nicht um Bewertung im Sinne von „gut“ oder „schlecht“, sondern darum, Entwicklungspotenziale sichtbar zu machen und gezielt Handlungsfelder abzuleiten.

3. Projekte priorisieren und bewerten
Aus den identifizierten Potenzialen werden konkrete Projektideen entwickelt. Diese werden anhand klarer Kriterien bewertet, etwa strategische Relevanz, Nutzen, Ressourcenbedarf und Umsetzbarkeit.

4. Aufwand-Nutzen-Abwägung treffen
In einer Nutzen-Aufwand Matrix wird geprüft, welche Projekte den grössten Mehrwert bieten und sinnvoll umgesetzt werden können.

5. Umsetzung planen und steuern
Die ausgewählten Projekte werden auf einer Timeline verteilt, um eine ausgewogene Ressourcenplanung sicherzustellen. Regelmässige Reviews der Meilensteine der Projekte sorgen dafür, dass Fortschritte sichtbar bleiben und Anpassungen möglich sind.
 

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1. Strategische Ausrichtung definieren

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2. Standortbezogene Self-Assessment durchführen

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3. Projekte priorisieren und bewerten

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4. Aufwand-Nutzen-Abwägung treffen

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5. Umsetzung planen und steuern

Welche Rolle spielen Mitarbeitende im Prozess?

Eine zentrale. Die Einbindung der Mitarbeitenden ist entscheidend für den Erfolg. Sie bringen wertvolles Prozesswissen ein und tragen massgeblich zur Umsetzung bei.
Transparente Kommunikation und klare Rollenverteilung sind dabei besonders wichtig.

Wo liegen typische Herausforderungen?

Die Methode selbst ist gut strukturiert und klar nachvollziehbar. Die grösste Herausforderung liegt in der konsequenten Umsetzung im Alltag, insbesondere darin, Projekte nachhaltig voranzutreiben und gesetzte Meilensteine einzuhalten.
Hier zeigt sich, wie wichtig Disziplin, Priorisierung und kontinuierliches Lernen sind.

Wie geht ihr mit sich verändernden Rahmenbedingungen um?

Flexibilität ist ein wichtiger Bestandteil des Ansatzes. Durch regelmässige Abstimmungen können Prioritäten angepasst, Projekte angepasst oder Ressourcen neu verteilt werden.
So bleibt die Organisation auch bei dynamischen Anforderungen handlungsfähig.

Wie messt ihr den Erfolg der Projekte?

Der Fortschritt wird über Kennzahlen sichtbar gemacht, sowohl über bestehende operative KPIs als auch über projektspezifische Kennzahlen.
Wichtig ist dabei, dass die Ergebnisse tatsächlich im operativen Alltag wirksam sind und nachhaltig Bestand haben.

Wie sieht der Ausblick aus?

Die definierten Projekte werden aktuell konsequent umgesetzt. Ziel ist es, die Methodik weiter zu etablieren und kontinuierlich daraus zu lernen, um zukünftige Initiativen noch gezielter und effizienter steuern zu können.
 

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