5S in der Logistik: Struktur schaffen und Standards nachhaltig verankern
Wie lassen sich Arbeitsplätze übersichtlich gestalten, Abläufe standardisieren und Prozesse langfristig stabil halten?
Die 5S-Methode ist ein zentrales Fundament des Lean Managements und schafft die Basis für kontinuierliche Verbesserung. Im folgenden Interview mit Marek Mrzyk, Leiter Lean Management bei FIEGE Schweiz, erfahren Sie:
- was 5S bedeutet und weshalb die Methode als Grundlage für Lean Management gilt
- wie 5S in logistischen und administrativen Bereichen angewendet wird
- welche Rolle Standards, Visualisierung und regelmässige Audits spielen
- wie Mitarbeitende aktiv eingebunden werden und 5S im Arbeitsalltag verankert wird
Erfahren Sie, wie 5S Transparenz schafft, Orientierung bietet und dazu beiträgt, Prozesse strukturiert weiterzuentwickeln – als stabile Basis für Effizienz, Qualität und kontinuierliche Verbesserung.
Was bedeutet 5S konkret und wie lässt es sich auf die Logistik übertragen?
5S ist eine strukturierte Methode zur Standardisierung von Arbeitsplätzen und Abläufen. Ziel ist es, Transparenz zu schaffen und Standards zu überprüfen oder, wenn sie noch nicht existieren, erstmals festzulegen.
In der Logistik bildet 5S eine stabile Grundlage, um Prozesse systematisch weiterzuentwickeln. Es geht nicht darum, bestehende Standards zu bewerten, sondern sie bewusst als Ausgangspunkt für kontinuierliche Optimierung zu gestalten.
Kann man 5S als Fundament von Lean Management bezeichnen?
Ja. 5S ist ein grundlegendes Element im Lean Management. Viele Organisationen starten bewusst mit dieser Methode, weil sie eine gemeinsame Basis schafft. Dazu gehören klare Strukturen, definierte Zuständigkeiten und ein einheitliches Verständnis von Ordnung und Standardisierung. Darauf lassen sich weiterführende Optimierungsprojekte sinnvoll aufbauen.
Welche konkreten Vorteile bringt 5S im logistischen Alltag?
Ein zentraler Effekt ist die Verkürzung von Einarbeitungszeiten. Standardisierte und klar gekennzeichnete Arbeitsplätze ermöglichen es Mitarbeitenden, sich schnell zurechtzufinden, auch bei Arbeitsplatzwechseln oder temporären Einsätzen.
5S dient nicht der optischen Aufwertung, sondern der funktionalen Gestaltung. Markierungen, Beschriftungen und klare Ablagen sorgen dafür, dass Materialien, Werkzeuge und Hilfsmittel jederzeit eindeutig zugeordnet sind.
Ist 5S speziell für Logistik- oder Produktionsumfelder relevant?
Nein. 5S ist branchen- und bereichsübergreifend einsetzbar. Überall dort, wo Arbeitsplätze, Abläufe und Schnittstellen existieren, kann die Methode angewendet werden. Sie funktioniert auch in administrativen Bereichen oder Büroumgebungen. Entscheidend ist nicht das Umfeld, sondern die konsequente Anwendung.
Wie wurde 5S bei euch eingeführt?
Wir arbeiten seit mehreren Jahren systematisch mit 5S. Der Einstieg erfolgte bewusst früh, um eine stabile Basis für spätere Lean-Projekte zu schaffen.
Zu Beginn stand eine umfassende Schulung der Mitarbeitenden. Ziel war es, ein gemeinsames Verständnis für die Methode zu etablieren und die Anwendung praxisnah zu vermitteln. Die Verantwortung wurde von Anfang an in die Teams gelegt. 5S wurde nicht als Top-down-Initiative eingeführt, sondern als gemeinsamer Prozess umgesetzt.
Welche Rolle spielen dabei die sogenannten 5S-Kümmerer?
Die Standorte sind in klar definierte 5S-Bereiche unterteilt. Für diese Bereiche gibt es mehrere 5S-Kümmerer, die sich freiwillig engagieren.
Ihre Aufgabe besteht darin, im zweiwöchigen Rhythmus Audits durchzuführen, den Ist- und Zielzustand zu dokumentieren und konkrete Massnahmen abzuleiten. Die Umsetzung erfolgt gemeinsam im Team, sodass 5S ein lebendiger Prozess bleibt und keine einmalige Aktion ist.
Wie laufen diese Audits konkret ab?
Die Kümmerer prüfen die einzelnen 5S-Dimensionen systematisch. Anschliessend sichten die Mitarbeitenden den Bereich, sortieren nicht benötigte Materialien aus, prüfen Kennzeichnungen und Sauberkeit und stellen die Einhaltung der Standards sicher.
Eine aktuelle Aktionsliste mit klar definierten Verantwortlichkeiten unterstützt die konsequente Nachverfolgung der vereinbarten Massnahmen.
Wo liegen typische Herausforderungen bei der Umsetzung von 5S?
Die grösste Herausforderung ist die Nachhaltigkeit. 5S erfordert kontinuierliche Aufmerksamkeit und ist keine einmalige Massnahme.
Führungskräfte übernehmen dabei eine unterstützende Rolle. Sie begleiten die Audits, sind präsent und leben die Methode vor. Gleichzeitig ändern sich Kundenanforderungen und Prozesse. Deshalb müssen Standards regelmässig überprüft und angepasst werden.
Wie reagieren Mitarbeitende auf die Veränderungen durch 5S?
Die Rückmeldungen sind überwiegend positiv. Durch die frühe Einbindung und die fundierte Schulung ist 5S heute fester Bestandteil des Arbeitsalltags.
Mitarbeitende erleben direkt, wie klare Strukturen und definierte Abläufe den Arbeitsalltag erleichtern. Dadurch wird 5S als Selbstverständlichkeit wahrgenommen und nicht als zusätzliche Aufgabe.
Visualisierungskonzepte spielen eine zentrale Rolle
Welche Werkzeuge und Methoden unterstützen die Umsetzung?
Neben der Schulung spielen Visualisierungskonzepte eine zentrale Rolle:
- Kennzeichnungs- und Farbkonzepte
- Silhouetten für Werkzeuge und Hilfsmittel
- klar definierte Lauf- und Stellflächen
- festgelegte Reinigungsroutinen für Arbeitsbereiche
Diese Elemente sorgen dafür, dass Abweichungen sofort sichtbar werden und früh reagiert werden kann.
Lassen sich durch 5S messbare Verbesserungen erzielen?
Die Auswirkungen von 5S sind in klassischen Produktivitätskennzahlen oft nur indirekt sichtbar. Die interne Bewertung erfolgt daher über die Audit-Ergebnisse und deren Entwicklung.
Langfristig zeigen Erfahrungen und Studien, dass eine konsequente Anwendung von 5S zu stabileren Prozessen und messbaren Effizienzgewinnen führen kann.
Hat 5S auch Einfluss auf die Wahrnehmung durch Kunden?
Ja. Bei Standortbesuchen oder Gesprächen mit Interessenten stossen die sichtbaren 5S-Strukturen regelmässig auf positives Feedback.
Die systematische Herangehensweise an Ordnung, Standards und kontinuierliche Verbesserung unterstreicht den Anspruch, Prozesse strukturiert und nachhaltig zu gestalten.
Wie geht es im Lean-Management bei euch weiter?
Aktuell bereiten wir einen Hoshin-Kanri-Prozess vor, um zukünftige Projekte strategisch auszurichten. Dabei geht es um Priorisierung, Ressourcenplanung und die strukturierte Umsetzung in den kommenden Jahren.
Das bietet auch Ansatzpunkte für eine vertiefende Betrachtung in weiteren Gesprächen.
Abschliessend: Welche Bedeutung hat 5S für die Zukunft der Logistik?
5S bleibt ein zentrales Element. Die Logistik ist ein dynamisches Umfeld mit wechselnden Anforderungen. Klare Standards und transparente Prozesse sind entscheidend, um flexibel und zuverlässig reagieren zu können. Genau hier setzt 5S an.